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Auf ein Wort – Shakespeare in Love

Zu den schönsten Dingen, die jemals über die Liebe gesagt oder geschrieben wurden, gehört das Drama „Romeo und Julia“ von William Shakespeare. In Langförden brillierten am vergangenen Donnerstag die Mitglieder des Vereins „Theater für Jedermann“ mit einer überzeugenden Premiere. Das Ergebnis konnte und kann sich sehen lassen, angefangen von der Kulisse, den Requisiten, der Musik und den historischen Kostümen bis hin zu den so genannten Laiendarstellern: Es hatte Format! Im Vorfeld der Aufführung war zu erfahren, dass es vor allem die jungen Mitglieder des Ensembles waren, die sich für diesen Klassiker ausgesprochen haben. Es sollte einmal wieder „was für uns junge Leute“ gespielt werden. Das hat nicht nur damit zu tun, dass Shakespeare in dieser Liebestragödie so viele junge Akteure auftreten lässt. Das ganze Stück ist „jung“ und alles andere als ein angestaubter Klassiker. Es bringt Menschen in Berührung mit ihren eigenen Emotionen, mit den eigenen Tiefen und Untiefen in ihrem Inneren. Shakespeare spielt sie in allen Facetten durch: Da sind die Zotenreißer mit ihren sexuellen Anspielungen. Aber da ist auch die Zartheit, die Unbedingtheit und der Wagemut der Liebe. Und natürlich der Hass, der von der einen auf die andere Generation übertragen werden kann. Man muss nicht Montague oder Capulet heißen, um solche Erfahrungen zu machen. Es kann die Familienehre, aber auch die Religion oder eine Ideologie sein, die zu Verblendung und Fanatismus führen können. Es ist ein Glücksfall für das Kulturleben unserer Region, dass solche Projekte auf die Beine gestellt werden. An diesem Theaterabend war spürbar: Verona, der Ort der Handlung, ist in Langförden und überall. Shakespeare zeigt, wie Menschen immer und überall sein können: berechnend, triebgesteuert und intrigant; aber auch humorvoll, warmherzig, ja sogar bereit zur äußersten Hingabe: „Und Liebe wagt, was irgend Liebe kann.“

Wirkliche Liebe hat etwas Mitreißendes. Sie holt den Menschen aus sich selbst heraus. So hat es Papst Benedikt XVI. einmal über die Liebe gesagt. Sein erstes Rundschreiben als Papst handelte über dieses große Menschheitsthema: „Gott ist die Liebe“ („Deus Caritas est“). Auch von seiner ersten Enzyklika kann man sagen: Sie gehört mit zum Schönsten, was jemals über die Liebe gesagt oder geschrieben worden ist. In einfühlsamen Worten beschreibt der Papst hier das eigentliche Abenteuer jeder Liebe – dass sie mich aufbricht, dass sie mich aus mir selbst herausholt und zum anderen führt. Jede wirkliche Liebe hat „irgendwie mit dem Göttlichen zu tun“, schreibt Benedikt. Denn Gott selbst ist ja die Liebe. An heißt es sogar: „Liebe ist Ekstase.“ Das klingt beinahe nach Shakespeare. Jetzt warten sich schon viele gespannt auf „Romeo & Julia in den Dammer Bergen“. Shakespeare is forever young!

(Text: Pfarrer Dr. Marc Röbel, Geistlicher Direktor der Katholischen Akademie Stapelfeld)
(Fotos: Herbert Eichfeld)

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