Können ihr Glück kaum fassen (von links): Fahed, Onkel Khalil, Zoya, Güllistan, Ahmed, Khalil, Zahla, Rabia und Zozan. Seit heute ist die syrische Familie wieder vereint.

Familie Uso endlich wieder vereint!

Mehr als zwölf Monaten haben Kinder um Eltern und Geschwister gebangt

Mehr als zwölf Monate haben Gülistan, Zozan, Fahed und Zoya auf diesen Moment gewartet: Als ihre Mutter Zahla, ihr Vater Ahmed, Schwester Rabia und Bruder Khalil durch die Zollkontrolle am Bremer Flughafen treten, ist kein Halten mehr. Die vier syrischen Kinder stürmen in die Arme ihrer Eltern und Geschwister. Tränen der Freude und Erleichterung fließen. Ihr Glück können sie gar nicht in Worte fassen.


Was die Familie Uso das letzte Jahr durchlebt hat, bricht sich in diesen Minuten Bahn: Krieg, Tod, Angst, Hunger, Flucht, Trennung. Ende 2013 waren die Kinder Gülistan (17 Jahre), Zozan (18), Fahed (20) und Zoya (22) als 4 von 5000 syrischen Kontingentflüchtlingen nach Visbek gekommen – die Eltern und die beiden kleinen Geschwister bleiben allerdings in einem kleinen Dorf nahe der syrischen Grenze zurück. Für sie reicht das Geld nicht, um auch nach Deutschland zu flüchten.
In Visbek lernen sie Ludger Penkhues von der Flüchtlingshilfe Langförden kennen, der die Vier unter seine Fittiche nimmt. Er holt sie nicht nur aus ihrer Isolation, er lehrt sie Deutsch, kümmert sich um die Kontakte mit der Ausländerbehörde, ersucht beim Bundesamt für Migration um eine Familienzusammenführung.
Mit Erfolg: Im März bekommen die Uso-Kinder eine Aufenthaltsgenehmigung für drei Jahre – und weil Güllistan minderjährig ist, das Versprechen, dass die Eltern nachkommen dürfen. Ab jetzt tickt die Uhr. Denn im April wird das Mädchen volljährig. Penkhues bleibt beharrlich. Am 19. September dann die erlösende Nachricht der Deutschen Botschaft aus Ankara: Die Eltern und die Geschwister dürfen ausreisen. Den Flug bucht Penkhues für den 28. September.
Nun ist alles gut. Glauben die Usos. Die Geschwister in Deutschland, die mittlerweile in Calveslage wohnen, wienern die Wohnung, hängen Girlanden auf. Doch dann der Schock: Die Flughafenpolizei erkennt die Papiere der Botschaft nicht an. Der Flieger gen Deutschland hebt ohne die Usos an Bord ab. Die Kinder sind am Boden zerstört. „Das kann man sich gar nicht vorstellen, was diese Nachricht insbesondere bei Güllistan ausgelöst hat. Wir waren alle fassungslos. Die Usos saßen in der Türkei fest, verstanden gar nicht, was die Polizisten von ihnen wollten, weil sie arabisch und kurdisch, aber eben nicht türkisch, deutsch oder englisch sprechen“, erzählt Penkhues.
Der Unternehmensberater setzt alle Hebel in Bewegung, gräbt einen alten Geschäftskontakt in Ankara aus, der von nun an dolmetscht und die Familie in Ankara umsorgt. Penkhues telefoniert sich die Finger wund. Am Ende akzeptiert die Polizei die Ausreisedokumente doch – es sei ein bedauerlicher Fehler gewesen. Doch der Flug ist weg, die Tickets verfallen. Erneut legt Ludger Penkhues fast 2000 Euro für neue Flugscheine aus. Doch das ist erst einmal egal. „Hauptsache die Familie ist so schnell wie möglich zusammen. Den Rest kläre ich später“, sagt Penkhues.
Als er die Begrüßungsszene am Bremer Flughafen beobachtet, ist auch ihm die Erleichterung ins Gesicht geschrieben. „Ich kann es selbst noch nicht fassen, dass Zahla, Ahmed, Khalil und Rabia nun da sind! Das Ganze hat sehr viel Kraft und Ausdauer sowie zwei schlaflose Nächte gekostet.“
Für die Familie beginnt nun eine neue Zeitrechnung. „Endlich müssen die Kinder nicht mehr um ihre Eltern und ihre Geschwister bangen, sondern können das Erlebte verarbeiten und wieder Hoffnung schöpfen auf eine bessere Zukunft!“ Und trotz der Strapazen sieht er auch etwas Gutes: „Wieder einmal hat sich gezeigt, wie viele Menschen bereits sind, in der Not zu helfen.“ Damit meint er insbesondere den 80-jährigen Geschäftsmann Yalcin Önyürü, aber auch den Lohner Ali Yilmaz, der zwischenzeitlich als Dolmetscher eingesprungen war.

Spenden

Wer sich an den Flugkosten für die Familie Uso beteiligen oder die Arbeit der Flüchtlingshilfe Langförden finanziell unterstützen möchte, kann dies gerne tun. Spendenkonto:
Kath. Kirchengem. Langförden
IBAN: DE 70280501000070340476
Verwendungszweck: Flüchtlingshilfe