Interessante Einblicke in den jesidischen Glauben und die aktuellen Flüchtlingsströme gaben Theo Lampe (links) und Ylias Yank (rechts). Den Abend organisiert hatte Rainer Rohnstock (Mitte).

Vortrag über jesidische Religion gut besucht

Ylias Yank und Theo Lampe reden auf Einladung der Flüchtlingshilfe Langförden

Die Haar-Taufe ist eine Besonderheit in der jesidischen Religion. Sie wird bei Knaben kurz nach der Geburt durchgeführt, wobei einige Haare dem Neugeborenen abgeschnitten werden. Da sich Mädchen nach alter Überlieferung nicht die Haare schneiden, findet diese Art der Taufe nur bei Jungen statt. Über diese und andere Rituale und Gepflogenheiten des jesidischen Glaubens berichtete kürzlich Ylias Yank vom Jesidischen Zentrum Oldenburg, der von der Flüchtlinghilfe Langförden eingeladen war, um Besonderheiten dieser weitgehend unbekannten Religion zu vermitteln.

Die sehr gut besuchte Veranstaltung im Pfarrheim der katholischen Kirche in Langförden wurde zunächst eingeleitet von Theo Lampe vom Diakonischen Werk in Oldenburg, der über die allgemeine Flüchtlings-Situation berichtete.
Weltweit waren 2014 57 Millionen Menschen auf der Flucht, weniger als ein Prozent kamen nach Europa, davon ein Viertel nach Deutschland, um bei uns Asyl zu suchen. Anfang 2015 ist die Zahl der Asyl-Suchenden noch einmal stark angestiegen, aber verglichen mit anderen Staaten nimmt Deutschland relativ wenig Flüchtlinge auf. 3,7 Prozent der Asyl-Suchenden in Deutschland sind Jesiden.
Theo Lampe betonte, dass Flucht immer mit großer Angst und Verzweiflung einhergehe, zugleich aber auch mit großer Hoffnung. Die Aufnahme und Integration gelinge am besten dort, wo Flüchtlinge verstreut in kleineren Ortschaften untergebracht sind. Im Unterschied zur ersten großen Flüchtlingswelle in den 90er Jahren sei heute die Bereitschaft in der Bevölkerung, den Flüchtlingen zu helfen, viel größer. Die vielen ehrenamtlichen Tätigkeiten, Flüchtlingshilfe-Gruppen und auch die positive Berichterstattung in den Medien seien ein gutes Zeichen dafür, dass Integration gelingen könne.
Ylias Yank erklärte im Anschluss, dass die kurdischen Jesiden in drei Wellen nach Deutschland gekommen sind. In den 60er Jahren zunächst als Gastarbeiter, wozu auch seine Eltern gehörten, dann in den 80er Jahren aus der Türkei als Folge des Bürgerkrieges der türkischen Regierung gegen die Kurden und in den letzten Jahren als verfolgte „Ungläubige“ der IS im syrischen Bürgerkrieg.
Die Religion entstand zirka 2000 Jahre vor Christus, ist aber keine „Buch-Religion“, das heißt es gibt keine heiligen Schriften, sondern sie wurde nur durch mündliche Überlieferung weitergegeben. Es gibt nur zirka eine Millionen Jesiden weltweit und die Besonderheiten der Religion, bei der die sieben Engel im Zentrum stehen, hat dazu geführt, dass Jesiden stets mit Argwohn von ihrer Umgebung betrachtet wurden. So blieben sie vielfach unter sich, hauptsächlich in kleinen Dörfern im Irak und Syrien wohnend und auch die Kinder und Jugendlichen verließen die Dörfer kaum, um in den Städten weitergehende Schulen und Bildungseinrichtungen zu besuchen.
Jesiden sind sehr tolerant gegenüber anderen Religionen, sie missionieren nicht, und ein Eintritt in die Religion ist nur durch Geburt möglich. Eine Heirat wird nur innerhalb der Glaubensgemeinschaft erwartet, andernfalls muss ein Jeside/in dem Glauben seines Partners beitreten. Gotteshäuser haben die Jesiden nicht, es gibt also keine Kirchen, Gebetsräume oder ähnliches. Gebetet wird Zuhause.
Ylias Yank erklärte auch die religiösen Feiertage und die Essens-Gewohnheiten und Vorschriften, die das Essen von Schweinefleisch nicht gänzlich ausschließen. Er betonte dabei, dass sich im Laufe der vielen Jahre des Aufenthalts in Deutschland die teils strengen Regeln verändert hätten, die jesidischen Neu-Ankömmlinge aber vielfach natürlich noch nach den alten Regel lebten. Bildung spiele für Jesiden eine große Rolle und in Oldenburg, wo alleine 2500 Jesiden leben, seien sie auch vielfach in angesehenen Berufen vertreten.
Nach den sehr informativen Vorträgen zeigte die anschließende Diskussion das große Interesse der Anwesenden, mehr über diese Religion zu erfahren. Die Flüchtlingshilfe Langförden war sehr erfreut über die positiven Reaktionen und bedankte sich bei den Vortragenden mit einem Geschenkkorb, gefüllt mit Erzeugnissen aus der Region.