Die Alexanderkapelle in Holtrup

 

In der Bauerschaft Holtrup befindet sich, etwa drei Kilometer von der Pfarrkirche St. Laurentius in Langförden entfernt, auf dem Hof der Familie Reinke ein sakrales Kleinod, das volkstümlich als Alexanderkapelle bezeichnet wird. Die Kapelle wurde im Jahre 1718 unter Pfarrer Johann Heinrich Pundsack (1659-1736) von den Bauern aus Holtrup auf eigene Kosten errichtet, nachdem ein mittelalterlicher Vorgängerbau in der oldenburgisch-münsterschen Fehde 1538 zerstört worden war. Der Pfarrer stiftete für den Gottesdienst in der Kapelle einen Kelch und Paramente. Das Bethaus war von alters her und ist auch heute noch der seligen Jungfrau und Gottesmutter Maria geweiht.

Außenaufnahme der Alexanderkapelle

In den drei Jahrhunderten seit ihrem Wiederaufbau musste die im Fachwerkstil errichtete Kapelle mehrfach instand gesetzt werden. Die letzte Renovierung erfolgte in den Jahren 2014/15 unter Leitung des Architekten Theo Dwertmann aus Cappeln. Große Eigenleistungen der Holtruper Einwohner und zahlreiche Spenden bildeten die Basis für das Gelingen der aufwendigen Sanierungsmaßnahmen, die nicht allein das Äußere des Gebäudes betrafen, sondern auch zu einer stilvollen Neugestaltung des Inneren der Kapelle führten. Zum Abschluss der Renovierung wurde die Kapelle vom damaligen Bischöflichen Offizial und Weihbischof Heinrich Timmerevers aus Vechta am 25. April 2015 benediziert.

In mittelalterlicher Zeit gab es in der Pfarrei Langförden neben der Holtruper Kapelle noch eine weitere in Deindrup. Beide Gebetsstätten fungierten ursprünglich als Beichtkapellen, da der Pfarrer früher aus den beiden Bauerschaften einen Pröven, eine Abgabe zumeist in Form von Naturalien, für das Hören der Beichte erhielt.

Blick zum Altar

Seit 1742 zogen die Pfarrangehörigen von Langförden alljährlich am Fest Mariä Heimsuchung (2. Juli) in einer Prozession mit dem Allerheiligsten von der Pfarrkirche zur Kapelle nach Holtrup und feierten dort ein Hochamt. Nach einem dreijährigen Probelauf wurde die Prozession von der kirchlichen Obrigkeit endgültig genehmigt. Für ihre Abhaltung hatte Pundsacks Nachfolger Pfarrer Arnold Backmann eine bestimmte Summe gestiftet. Die Prozession hatte bis 1833 Bestand, bis sie mangels Beteiligung und wegen aufgetretener Missstände aufgegeben wurde. Stattdessen las der Langfördener Pfarrer seit 1836 jährlich in der Woche Mariä Heimsuchung eine Messe in Holtrup, bis auch diese 1897 wegen des schlechten Bauzustandes der Kapelle eingestellt wurde. Erst unter Pfarrer Dr. Gisbert Meistermann, in dessen Amtszeit der Neubau der Pfarrkirche (1910/12) erfolgte, wurde die Prozession nach 80-jähriger Unterbrechung 1913 wieder eingeführt.

Mitte der 1980er-Jahre wurde die Prozession wegen nachlassenden Interesses erneut abgeschafft. Das Hochamt am Sonntag nach dem Fest Mariä Heimsuchung findet aber nach wie vor in Holtrup statt und wird von den Gläubigen gut besucht. Viele fahren je nach Wetterlage mit dem Fahrrad oder mit dem Auto zum Hof Reinke, um am Gottesdienst im Freien vor der Kapelle teilzunehmen. Seit einigen Jahren macht sich auch wieder eine kleine Gruppe von Gläubigen zu Fuß auf den Weg nach Holtrup. Doch ist nicht allein der Pilgergedanke wieder belebt worden, sondern hat das religiöse Leben, beflügelt durch die Wiederherrichtung der Kapelle, insgesamt einen Aufschwung genommen. So ist die Kapelle regelmäßig Versammlungsraum für Maiandachten, Rosenkranz- und Taizégebete und andere religiöse Veranstaltungen.

Blick in das Kirchenschiff

Die Gebetsstätte in Holtrup ist weit über Langförden hinaus unter der Bezeichnung Alexanderkapelle bekannt. Die Namensgebung hängt wohl damit zusammen, dass geschichtsbegeisterte Heimatforscher im 19. Jahrhundert den damals bekannt gewordenen Bericht über die Translation der Gebeine des hl. Alexander von Rom nach Wildeshausen mit der Holtruper Kapelle in Verbindung brachten. Der Leichnam des hl. Alexander wurde im Jahre 851 vom sächsischen Grafen Waltbert nach Wildeshausen überführt, um diesen Ort zu einem regionalen Zentrum der Christianisierung auszubauen. Im Translationsbericht, den der Fuldaer Mönch Rudolf 863 begann und der von seinem Schüler Meginhard fertiggestellt wurde, wird der Ort Holtrup erstmals urkundlich erwähnt. Auf der letzten Etappe des Weges sollen eine verkrüppelte Frau und ein Mädchen aus diesem Ort auf wundersame Weise geheilt worden sein.

So bildete sich schließlich die von dem bekannten geistlichen Geschichtsforscher Karl Willoh untermauerte Tradition heraus, dass die Kapelle in Holtrup an der Stelle errichtet worden sei, „wo der Körper des hl. Alexander auf dem Transport von Rom nach Wildeshausen die letzte Nacht aufbewahrt gewesen“ sei. Dafür fehlt jedoch der authentische Beleg. In alten Schriftstücken ist immer nur von der „Kapelle in Holtrup“ die Rede. Und bei dieser handelt es sich um eine Marienkapelle, auch wenn sich im Volksmund eine andere Bezeichnung durchgesetzt hat.

Text: Willi Baumann

(zum Holtruper Lied vom heiligen Alexander)

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