Trauerbesuchsdienst

Viele Hinterbliebene fühlen sich nach dem Tod eines lieben Angehörigen allein. Der Trauerbesuchsdienst bietet den Hinterbliebenen in Langförden und Bühren die Möglichkeit, nach etwa sechs bis acht Wochen nach dem Trauerfall, über ihre Trauer zu sprechen.

Der Trauerbesuchsdienst bietet Gespräche und menschliche Nähe an. In unserer Pfarrei stehen Ralf Rießelmann, Maria Rake, Dieter Kenkel, Susanne Sheldon und Christin Warnke dafür zur Verfügung. Sie haben für ihre Aufgaben eine spezielle Ausbildung absolviert und unterliegen selbstverständlich der absoluten Schweigepflicht.

Diese kleine Gruppe Ehrenamtlicher aus der Gemeinde hat diesen Dienst im Auftrag des Seelsorgeteams und in enger Zusammenarbeit mit Pfarrer Ralph Forthaus übernommen.

Die Mitglieder des Trauerbesuchsdienstes im Januar 2018 von links nach rechts: Susanne Sheldon, Maria Rake, Ralf Rießelmann, Dieter Kenkel, Christin Warnke

 

Warum ich beim Trauerbesuchsdienst mitmache:

1. Susanne Sheldon

„Zu trauern ist etwas sehr persönliches und jeder Mensch versucht auf seine Weise damit umzugehen. In dieser Zeit ist es segensreich wenn wir Menschen um uns haben, die uns ihre ungeteilte Aufmerksamkeit schenken und es uns durch ihr Zuhören leichter machen. Wir wissen, das Leben und Sterben zusammen gehören.  Jedoch wenn der Tod  in unser Leben tritt und einen geliebten Menschen mit sich nimmt, bricht im wahrsten Sinne des Wortes die Welt um uns zusammen. Alles was war einmal war , alles was wir geschätzt haben , hat sich nun an von Grund auf verändert. In der Gemeinschaft der Trauerbegleitung haben wir uns zusammengefunden um anderen in dieser veränderten Zeit für eine Weile beizustehen.Meine eigene Trauer um meinen Bruder , der mit 23 Jahren verunglückt ist und der Tod meines Vaters 2 Jahre später hat mich tief zerrissen und das Bedürfnis mit jemandem über diesen Schmerz und Verlust zu reden war sehr gross. Deshalb bin ich dankbar,  das es in dieser Phase meines Lebens Menschen gab mit denen ich reden und weinen konnte. Diese Erfahrungen haben  mich tief geprägt und  bewegt  dieses Geschenk auch an andere weiter geben zu wollen.“

 

2. Maria Rake

„Mein Name ist Maria Rake. Ich wohne in Bühren, bin verheiratet und habe zwei erwachsene Kinder. Als Kinderpflegerin arbeite ich seit 45 Jahren gerne mit Kindern und Erwachsenen. Seit 33 Jahren bin ich in unserem Bührener Kindergarten St. Johannes tätig und werde Ende 2018 in Rente gehen. Um auch weiterhin mit Menschen arbeiten zu können, habe ich mich für den Trauerbesuchsdienst entschieden. Ich freue mich auf meine neue Aufgabe.“

 

 

3. Ralf Rießelmann (Statio am 11.03.2018)

Als ich in meinem Freundeskreis im letzten Jahr erzählt habe, dass ich im Trauerbesuchsdienst für meine Heimatgemeinde in Langförden und Bühren tätig bin,  gab es sehr viele unterschiedliche Reaktionen darauf.Sie reichten von „Du hast eine seltsame Freizeitgestaltung“ über „Das könnte ich nicht“……..    bis hin zu einer Art Bewunderung diesen Dienst überhaupt freiwillig zu wählen.Aufgrund der vielen unterschiedlichen Reaktionen habe ich mich gefragt, welche Gründe waren auschlaggebend dafür, dass ich mich gemeldet habe? Anfänglich bin ich dabei nicht wirklich fündig geworden.

Bis ich auf diesen Satz gestoßen bin, den viele von uns vielleicht kennen: „Wer etwas nicht tun möchte, der findet  dafür jede Menge Gründe, wer jedoch etwas tun möchte, der findet Wege.

Im letzten Jahr an einem Samstag hat unser Pastor Ralph Forthaus vor Beginn der Heiligen Messe, wie üblich ein paar  Meldungen verlesen, unter anderem auch die Anfrage, ob es Gemeindemitglieder gibt, die sich vorstellen könnten den Trauerdienst zu verstärken. Ich habe in diesem Moment nicht darüber nachgedacht, was für mich alles dagegen sprechen könnte, sondern einfach entschieden, ich werde mich dafür melden.

Erst danach habe mir die Frage gestellt: „Kann ich das wirklich?“ „Schaffe ich das?“

Während unseres gemeinsamen Vorbereitungskurses in Stapelfeld wurde mir passend zu meinen Zweifeln ein Ausschnitt  aus dem Buch „MOMO“ von Michael Ende vorgelesen, den ich ihnen nun gerne vortragen möchte:

Was M O M O konnte….

Was die kleine Momo konnte wie kein anderer, das war: Zuhören. Das ist doch nichts Besonderes, wird nun vielleicht mancher sagen, zuhören kann doch jeder.

Aber das ist ein Irrtum. Wirklich zuhören können nur ganz wenige Menschen. Und so wie Momo sich aufs Zuhören verstand, war es ganz und gar einmalig. Momo konnte so zuhören, dass weniger gescheiten Leuten plötzlich sehr gescheite Gedanken kamen.

Nicht etwa, weil sie etwas sagte oder fragte, was den anderen auf solche Gedanken brachte, nein, sie saß nur da und hörte einfach zu, mit aller Aufmerksamkeit und aller Anteilnahme. Dabei schaute sie den anderen mit ihren großen, dunklen Augen an, und der Betreffende fühlte, wie in ihm auf einmal Gedanken auftauchten, von denen er nie geahnt hatte, dass sie in ihm steckten.

Sie konnte so zuhören, dass ratlose und unentschlossene Leute auf einmal ganz genau wussten, was sie wollten. Oder dass Schüchterne sich plötzlich frei und mutig fühlten. Oder dass Unglückliche und Bedrückte zuversichtlich und froh wurden. So konnte Momo zuhören! Gott sei Dank dachte ich letztes Jahr in Stapelfeld. Es geht nicht darum perfekt  zu sein oder etwas perfekt machen zu wollen. Manchmal geht es im Leben einfach nur darum den Mut zu haben etwas Neues zu wagen und in den Gesprächen mit trauernden Menschen mit einem ruhigen und konzentrierten Geist  zuzuhören, und einfühlsam darauf einzugehen, was ihre Worte mir sagen.

Zuzuhören heißt für mich auch, der Trauer einen Raum zu geben und es bewusst auszuhalten, wenn mein Gegenüber mit Gott hadert, verzweifelt ist, oder vielleicht zu Weinen beginnt.

Ein anderes Mal reicht es aus, einfach da zu sein, um den trauernden Menschen die Möglichkeit zu geben über ihren Verlust  zu sprechen.

Ich bin bei diesen Gesprächen häufig sehr berührt, von den vielen unterschiedlichen  Gesichtern der Trauer.

Ich glaube daran, dass jede Form von Trauer gelebt werden darf, so wie es den Hinterbliebenen möglich ist, und so wie es ihnen gut tut. Es ist nicht  meine Aufgabe zu beurteilen oder zu bewerten wie jemand trauert. Meine Aufgabe ist in dem Moment des Besuches, die Bedürfnisse meines Gegenübers zu hören und sie anzunehmen, so wie sie sind. Das kann an manchen Tagen bedeuten, dass ich ausschließlich  zuhöre, oder wir gemeinsam über die Erinnerungen an den Verstorbenen oder die Verstorbene sprechen. Bei einem anderen Mal kann es sein, das wir einfach gemeinsam schweigen, oder zusammen ein Gebet sprechen.

Ich möchte den Trauernden die Möglichkeit geben, das zu tun oder zu sagen, was ihnen im jeweiligen Moment gut tut, denn nicht alle haben Familie und Freunde, durch die sie Stärkung und Unterstützung erfahren.

Wir vom Trauerbesuchsdienst möchten durch unser Angebot deutlich machen, dass die Kirchengemeinde an dieser Trauer teilnimmt. Gleichzeitig liegt uns die Freiwilligkeit eines jeden einzelnen sehr am Herzen. Deshalb rufen wir vorher bei den Hinterbliebenen an und fragen, ob das Bedürfnis nach einem Gespräch, oder der Wunsch nach einem Besuch besteht.

Oft wird unser Angebot angenommen. Andere möchten eher Abstand und  brauchen vielleicht die Zeit für sich, um sich mit der neuen Lebenssituation zurechtzufinden, oder sie sind von ihrer Familie umgeben, die ihnen genau den Halt gibt, den sie benötigen.

Ich, bin erfüllt und dankbar für das Vertrauen und die Offenheit, die mir bei meinen Besuchen und Telefonaten entgegen gebracht wird.

So möchte ich abschließend noch für mich ganz persönlich sprechen und sagen:

„Ich möchte Gott dafür danken, dass ich anwesend war als unser Pastor um Verstärkung  für den Trauerdienst gebeten hat, denn diese Aufgabe bereichert mein Leben.“

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