+ Josef Bohmann

Josef Bohmann, gebürtig aus Deindrup und bis in die 70er Jahre hinein als Dominikanerpater in Taiwan tätig, verstarb am 16. August 2018. Viele Gemeindemitglieder haben damals für seine Arbeit großzügig gespendet. In einem Nachruf der Vertretung Taiwans in Berlin ist zu lesen, wie segensreich Josef Bohmann für die Menschen Taiwans gewirkt hat:

 

Taiwan hat einen Freund verloren

Herr Josef Bohmann ist nach einem langen und erfüllten Leben am 16. August dieses Jahres im Alter von 88 Jahren von uns gegangen. Sein Leben lang war Herr Bohmann Taiwan tief verbunden. Als junger Mann kam Herr Bohmann im Jahr 1959 in den Landkreis Pingtung im Süden Taiwans und arbeitete dort für die Katholische Kirche in der Entwicklungshilfe. Er blieb bis 1974. In diesen 15 Jahren setzte sich Herr Bohmann aufopferungsvoll für die Bevölkerung ein.

Herr Bohmann gelang es, rasche gute Kontakte zur Regierung unter Chiang Kai-shek aufzubauen, und er nutzte diese Kontakte für seine Arbeit in der Entwicklungshilfe zum Wohle der Menschen in Taiwan. Über 20 Kindergärten wurden auf Veranlassung Herrn Bohmanns gebaut. Damals hungerte die Bevölkerung noch, und Herr Bohmann organisierte daher die Verteilung der von den USA gelieferten Hilfsgüter wie Mehl und Milchpulver. Er engagierte sich im Kampf gegen die Armut und leistete einen bedeutenden Beitrag dazu, dass es den Menschen im Landkreis Pingtung heute so viel besser geht, als dies vor knapp sechzig Jahren der Fall war, als Herr Bohmann nach Taiwan kam.

Josef Bohmann

Beispielsweise warb er bei Misereor umfangreiche finanzielle Mittel ein und ließ damit im Landkreis Pingtung einige Flüsse trockenlegen. Dadurch wurde neues, urbares Land gewonnen, das die Flüchtlinge von den Dachen-Inseln, die vor der Volksbefreiungsarmee nach Taiwan evakuiert worden waren, landwirtschaftlich nutzen konnten.

Als nach einer Überschwemmung im Jahr 1972 viele Gebäude in der Gemeinde Chunri in Pingtung zerstört waren, sammelte Herr Bohmann in Deutschland Spenden. Das Geld investierte er in den Kauf eines Stück Lands, auf dem obdachlos Gewordene neue Häuser bauen konnten. Auf einem Motorrad fuhr er damals selber nach Tainan, um die Planung und den Bau dieser Häuser zu organisieren, und er sorgte dafür, dass die von der Naturkatastrophe Betroffenen zinslose Bankkredite erhielten.

Das Motorrad hatte noch bei einer anderen Gelegenheit eine buchstäblich tragende Rolle: Ein Kind einer Ureinwohnerfamilie war schwer erkrankt, doch ein Krankenhaus gab es damals noch nicht in Pingtung. Mangels anderer Fahrzeuge lud Herr Bohmann daher das Kind und seinen Vater mit auf sein Motorrad und fuhr beide ins nächste Krankenhaus nach Tainan.

Auch für diese tatkräftige Aktion und für seine Verdienste an der Bevölkerung im Landkreis Pingtung wurde Herr Bohmann im Januar 1970 mit dem National Good Person Good Deeds Award ausgezeichnet. Herr Bohmann war ein großer und wahrer Freund Taiwans. Die Menschen dort werden ihn nie vergessen. Und auch wir werden ihn nie vergessen.“

 

Möge er nun ruhen in Frieden!

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