20180619_MaysaasHaarspende

70 Zentimeter für den guten Zweck

Die meisten Langfördener kennen Maysaa Alsamhan nur mit Kopftuch. Lediglich ihre Familie und ihre Freundinnen kennen auch die schönen langen braunen Haare darunter. Die sind seit wenigen Wochen allerdings ganze 70 Zentimeter kürzer. Die Syrerin hat sie sich abschneiden lassen, um sie dem Verein Haarfee in Wien zu spenden.
Die Non-Profit-Organisation macht daraus Perücken für bedürftige Kinder, die ihre Haare durch eine Chemotherapie, Verbrennungen oder andere schwere Schicksalsschläge verloren haben und sich eine Echthaarperücke nicht leisten können. Die Vereinsmitglieder möchten den betroffenen Kindern damit ihr Selbstwertgefühl zurück geben. Denn oft würden diese gehänselt und sogar ausgegrenzt, schreibt der Verein auf seiner Internetseite. Maysaa Alsamhan freut sich, wenn sie mit ihren Haaren helfen kann. „Viele Kinder brauchen die Haare, ich nicht.“
Mit ihrer neuen Frisur – sie trägt das Haar nun schulterlang – fühle sie sich ohnehin viel wohler, erzählt sie. Ihr Mann indes sei zunächst nicht begeistert gewesen. „Er liebte die langen Haare sehr. Aber er weiß, dass ich jetzt zufriedener bin. Das findet er gut.“
Zwei Jahre lang – seit ihrer Ankunft in Deutschland – hat sie die Haare wachsen lassen. Fast knielang waren sie zuletzt. „Kämmen, waschen, trocknen war immer viel Arbeit. Mit drei kleinen Kindern zu viel“, sagt die sympathische 27-Jährige.
Trotzdem hat sie lange gewartet mit dem Abschneiden. Schließlich wollte sie möglichst viele Haare spenden. Zwar sucht der Verein Haarfee Zöpfe ab 40 Zentimetern, doch gilt: Je länger, desto besser. Schließlich wünschen sich laut „Haarfee“ viele Kinder Perücken mit ganz langen Haaren.
Maysaas abgeschnittener Zopf bringt fast 200 Gramm auf die Waage. In den nächsten Tagen will sie ihn gemeinsam mit ihrer Deutschlehrerin von der Flüchtlingshilfe Langförden, Elisabeth Deeke, eintüten und zur Post bringen. Auf die Idee der Haarspende gebracht hat sie eine Freundin. „Sie hat erzählt, dass ihre Tochter ihre Haare für einen guten Zweck gespendet hat. Das wollte ich auch.“
Maysaa Alsamhan wird mit ihrer Spende also helfen, einem Kind seinen Herzenswunsch zu erfüllen. Fragt man sie nach ihren eigenen Wünschen, nennt sie gleich drei: Nach Jordanien möchte sie reisen, um nach sieben Jahren endlich ihre Mutter, ihre vier Brüder und ihre Schwester wiederzusehen. Eine Wohnung in Vechta für sich, ihren Mann und ihre drei Kinder ist der zweite Wunsch – wegen des öffentlichen Nahverkehrs. Und wieder arbeiten würde sie gerne. Reiseverkehrskauffrau hat sie in Syrien gelernt. „Ein Praktikum bei Höffmann oder einem anderen Reiseunternehmen wäre toll. Aber dafür bräuchte ich ein Auto, weil zu wenig Busse von Vechta nach Langförden fahren.“ Bis dahin wäre sie auch für jede andere Arbeit, die fußläufig entfernt ist, dankbar.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *