Der bunte Schirm als Symbol für die vielen Nationen, die friedlich im Landkreis zusammen leben. Die Helferkreise aus den verschiedenen Kommunen organisieren gemeinsam eine Menschenkette gegen Rassismus.

Einreihen gegen Rassismus

Helferkreise organisieren am 1. Dezember eine Menschenkette in Vechta

„Reihe auch du dich ein!“: Unter diesem Motto sind Bürger aus dem gesamten Landkreis Vechta am 1. Dezember (Samstag) ab 14 Uhr aufgerufen, an einer Menschenkette gegen Rassismus und für Menschlichkeit teilzunehmen. Treffpunkt ist der Platz vor der Propstei in Vechta (Große Straße).
Organisatoren der Menschenkette sind die verschiedenen Helferkreise, die sich nach dem Flüchtlingszuzug im gesamten Landkreis Vechta gebildet haben – darunter die Flüchtlingshilfe Langförden, Bakum, Visbek, Holdorf, Steinfeld, Mühlen, Lohne, Dinklage und Vechta. Unterstützung bekommen sie vom Caritas-Sozialwerk St. Elisabeth, der Stadt Vechta und dem Bündnis Partnerschaft für Demokratie Vechta. Finanzielle Hilfen gibt es zudem vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend mit seinem Programm „Demokratie leben!“.
„Was wir in den Medien über Flüchtlinge lesen und hören, was manche Politiker von sich geben, hat nichts mit dem zu tun, was wir in unserer täglichen Arbeit mit Flüchtlingen erleben“, sagt Ludger Penkhues, Sprecher der Flüchtlingshilfe Langförden. „Mit der Menschenkette möchten wir unsere Solidarität mit den Menschen deutlich machen, die vor Krieg, Tod und Verfolgung geflohen sind, die vielfach alles verloren haben: ihre Heimat, ihre Familienmitglieder, Freunde und Verwandte, ihr Hab und Gut.“ Denn das käme in der öffentlichen Diskussion viel zu kurz: die Menschen, die Hilfe suchten. „Stattdessen werden sie immer wieder pauschal als Sozialschmarotzer tituliert oder als Kriminelle verunglimpft. Und die Politik diskutiert vor allem darüber, wie Kriegsflüchtlinge möglichst weit von unseren Grenzen ferngehalten werden können. Das ist beschämend!“, findet Ludger Themann aus Lohne und ergänzt: „Wir fordern alle Menschen im Landkreis auf, mit uns ein Zeichen gegen Diskriminierung und für Menschlichkeit zu setzen und bei der Menschenkette Gesicht zu zeigen.“
Besonders der Vorfall bei der Firma S + H in Vechta im Spätsommer diesen Jahres – ein farbiger Auszubildender der Firma durfte nicht das Haus einer Kundin betreten – brachte die Ehrenamtlichen dazu, ein deutliches Zeichen gegen Rassismus und für Menschlichkeit setzen zu wollen. Um ihrer Haltung Ausdruck zu verleihen, verteilen die Organisatoren bunte Regenschirme an die Teilnehmer. Sie stehen für die Vielfalt der im Landkreis friedlich zusammen lebenden Nationalitäten.
Die Helferkreise hoffen, viele Bürger mobilisieren zu können. Erst Anfang November hatten sich bei einer Demonstration gegen Rechts rund 1500 Menschen in Vechta versammelt. „Das war wirklich beeindruckend. In diesem Geist müssen wir weitermachen!“, sagt Sozialarbeiter Johannes Lamping vom Caritas-Sozialwerk St. Elisabeth. „Frieden ist ein Geschenk, ihn zu erhalten ist eine Aufgabe. Jeden Tag“, fügt Ludger Themann an.
Die Menschenkette, sie soll von der Propstei entlang der gesperrten Großen Straße Richtung Weihnachtsmarkt und von dort bis hin zur Fußgängerbrücke am Bahnhof führen. Natürlich gilt: Je länger die Kette wird, desto besser. Deshalb fordern die Helferkreise alle Bürger auf: „Reiht euch ein!“
Und noch etwas: In Holdorf setzen der Vereine „Zukunft für Jugend Holdorf e. V. und das Caritas-Sozialwerk die Aktion ab 17 Uhr fort. Als Lichterkette. Wer also um 14 Uhr verhindert sein sollte, kann drei Stunden später auf dem Weihnachtsmarkt rund um die Kirche in Holdorf Gesicht gegen Rassismus und für Menschlichkeit zeigen.

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